Wer war eigentlich dieser Cicero, nach dem sogar Zeitschriften benannt werden?

 

Marcus Tullius Cicero wurde 106 vor Christus in Arpinum bei Rom geboren. Sein Vater, der in der Römischen Republik dem Ritterstand angehörte, lies den Sohn zum Anwalt und Redner ausbilden. Mit 25 Jahren tritt Cicero zum ersten Mal als Anwalt vor Gericht auf. Nach diesem ersten erfolgreichen Prozess gegen einen Günstling Sullas (Pro Roscio Amerino) verlässt er Rom von 79 - 77 v. Chr. und bereist Griechenland und Kleinasien. In Athen und Rhodos trifft er die berühmtesten Philosophen seiner Zeit und schließt eine lebenslange Freundschaft zu seinem späteren Verleger Pomponius Atticus. Nach seiner Rückkehr heiratet er Terentia, die die gemeinsamen Kinder Tullia und im Jahre 65 Marcus gebiert.

Cicero beschreitet als sogenannter "homo novus", d. h. als erster seiner Familie überhaupt, die Ämterlaufbahn bis zum Konsulat und dies im jeweils frühesten Alter. Den Anfang macht die Quästur in Sizilien im Jahre 75 v. Chr., wobei er sich so beliebt machte, dass ihm die Sizilianer die Anklage gegen den berüchtigten Proprätor Verres übertrugen. Den Prozess gegen Verres gewann Cicero, obwohl sein Gegner der berühmteste Gerichtsanwalt jener Zeit, Hortensius, war. 69 ist Cicero kurulischer Ädil, 66 Prätor. Zusammen mit C. Antonius hat Cicero das Konsulat im Jahre 63 inne. Als Konsul schlägt Cicero die Verschwörung des Catilina nieder, wofür er sich als Retter der Republik sieht. Cicero steht an der Spitze seines politischen Lebens, als man ihn mit dem Titel "pater patriae" ehrt.

Jedoch schwindet mit dem sog. "Ersten Triumvirat" zwischen Caesar, Crassus und Pompeius ab 60 Ciceros politischer Einfluss und seine Gegner erwirken - wegen angeblich gesetzwidriger Hinrichtung der Verschwörer zur Zeit des Konsulats - die Verbannung in den Jahren 58/57 v. Chr. Im September 57 kann Cicero aus Makedonien zurückkehren. Sein politisches Programm umschreibt er jetzt mit dem Schlagwort vom "consensus bonorum omnium", vom "Konsens aller Guten". Da seine Wirkmöglichkeiten im Staat allerdings weiterhin gering bleiben, beginnt er als Schriftsteller Arbeiten zur Redekunst, zum Staat und zu den Gesetzen zu verfassen.

51 v. Chr. tritt Cicero das Amt des Statthalters in Kilikien (heute Südosttürkei) an. Nach einem guten Jahr kehrt er zurück und findet Rom im Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius vor. Er schließt sich letztlich Pompeius an und folgt diesem nach Griechenland - an der Schlacht von Pharsalos nimmt Cicero aber nicht teil. Nach der endgültigen Niederlage des Pompeius wird Cicero von Caesar begnadigt. Während der Alleinherrschaft Caesars von 47 bis zum 15. März 44 verfasst Cicero weitere schriftstellerische Werke, nun aber nach einigen Büchern zur Rhetorik auch solche mit genuin philosophischem Gehalt. 45/44 entstehen nacheinander u. a.

* Hortensius (eine Aufforderung zum Philosophieren)

* Academici libri (über die Erkenntnislehre der Akademiker)

* De finibus bonorum et malorum 

* Tusculanae disputationes 

* De natura deorum (über die Lehre von den Göttern).

Nach Caesars Ermordung kämpfen Antonius und Octavian (der spätere Kaiser Augustus) um die Vorherrschaft, wobei Cicero vierzehn scharfe Reden ("Philippische Reden") gegen Antonius und für die Herstellung der Republik verfasst. Nach der vorläufigen Aussöhnung der beiden Kontrahenten (sog. "Zweites Triumvirat" mit Lepidus 43 v. Chr.) wird Ciceros Name auf die sog. Proskriptionenliste gesetzt, was jedermann seine Ermordung erlaubt. Am 7. Dezember 43 erreichen ihn die Häscher des Antonius bei Formiae und ermorden Cicero.

Cicero gehört zweifellos zu den größten Rednern des Altertums. 58 seiner Reden sind uns vollständig überliefert, von 20 besitzen wir Bruchstücke, von 35 lediglich die Titel. Es handelt sich dabei überwiegend um Reden in Strafprozessen und Staatsreden. Dass er sich nicht nur praktisch in der Redekunst befleißigt, sondern auch theoretische Schriften zu Rhetorik verfasst hat (De oratore, Partitiones oratoriae, Topica, Brutus), wurde bereits erwähnt. 

Als Philosoph wurde Cicero lange Zeit von der Forschung unterschätzt. Obwohl sich zwar große Persönlichkeiten der Geistesgeschichte an seinen Schriften geschult haben (u. a. Augustinus, Petrarca, Voltaire, Kant), schien Cicero den Philologen zu Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur ein Übersetzer griechischen Gedankenguts zu sein. Dabei bemängelte man an seinen Schriften nicht nur fehlende Originalität, sondern auch unzusammenhängende Darstellung, verwirrende Anordnung und Unverständnis der Originale. Ciceros eigene Zurücknahme in seinem philosophischen Anspruch, wie sie beispielsweise in den Briefen an Atticus (z. B. Att. XII 57,3) belegt ist, schien dieses Bild zu bestätigen. Da uns aber die überwiegende Mehrzahl der Schriften griechischer Philosophen, die Cicero als Vorlage dienten oder gedient haben sollen, entweder gar nicht mehr oder nur in kleinsten Bruchstücken überliefert sind und deshalb aus Ciceros Werken rekonstruiert werden müssen, ist es praktisch unmöglich, den Vorwurf in seiner Generalität zu beweisen oder zu widerlegen. 

Seit etwa 40 Jahren wird denn auch Ciceros Beitrag zur  Philosophie wieder deutlich positiver zur Kenntnis genommen, und dies mit Recht, wurden doch  mittlerweile zahlreiche Hinweise gesammelt, die belegen, dass er keineswegs nur dilettantisch abgeschrieben, sondern in Form und Präsentation des Stoffes wie in der Wortwahl einen immensen eigenen Beitrag zur Geistesgeschichte geleistet hat. Eine Fülle lateinischer philosophischer "Fachausdrücke" geht auf Cicero zurück. Aber nicht nur darin zeigt sich Ciceros Vermögen: Obwohl er sich immer wieder ausdrücklich zur Schule der skeptischen Akademiker bekennt, verhehlt er doch in seinen Schriften nicht ein wohlerwogenes Urteil. Allerdings ist dieses keine dogmatische Festsetzung für jetzt und alle Zeit, sondern der Revidierung durch das bessere Argument jederzeit geöffnet. In seinem Umgang mit verschiedenen philosophischen Strömungen und Richtungen kann Cicero auch für die Gegenwart ein beredtes Beispiel sein.

Weitere Werke Ciceros außer den schon oben genannten:

* Paradoxa Stoicorum

* Lucullus

 

Übersicht über die Philosophenschulen des Hellenismus

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Einen groben - englischsprachigen - Überblick zu Cicero gibt die Seite aus "The Internet Encyclopedia of Philosophy".

 

 

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